aus Faz.Net, Philosophie des Alterns von Otfried Höffe
Der entsprechende Lernprozess kann, schematisch gesagt, in drei Phasen verlaufen, die aber nicht „brav“ aufeinander folgen müssen. In der ersten Phase, dem „resignativen Altern“, findet man sich mit einer traurigen Wirklichkeit ab; man nimmt vor allem die körperlichen und geistigen, auch die sozialen Verluste wahr.
In einer zweiten Phase wendet man sich altersgerechten Interessen und Beziehungen zu. Dieses „abwägend-integrative Altern“ verbindet sich mit Blochs „Wunschbild Überblick, gegebenenfalls Ernte“.
Eine gewisse Vollendung erreicht man schließlich in der dritten Phase, in jenem „kreativen Altern“, das der neuen Lebensphase ihre Eigenart lässt und zugleich den Gewinn einsieht: Den Zwängen von Konkurrenz und Karriere enthoben, wird man gegen die Frage nach mehr oder weniger Erfolg gleichgültig. In den Vordergrund treten stattdessen Unbestechlichkeit, Selbstachtung, Güte und Humor."